Regierungsentwurf des Bundeshaushalts 2016

Einzelplan 09: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Stand: Stand: 1. Juli 2015

Taschenrechner auf Zeitung symbolisiert den Haushalt des BMWi; Quelle: istockphoto.com/peepo
© istockphoto.com/peepo

"Wirtschafts-, energie- und forschungspolitische Schwerpunkt-aufgaben stärken, zusätzliche Investitionsanreize schaffen und internationale Verpflichtungen erfüllen"

Das Bundeskabinett hat den Entwurf des Haushalts des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) für das Jahr 2016 beschlossen. Er beläuft sich auf insgesamt rund 7,527 Mrd. Euro (2014: 7,418 Mrd. Euro; 2015 [1]: 7,395 Mrd. Euro).

Das BMWi trägt mit Investitionen und Fördermaßnahmen zu Wachstum, Innovation und Beschäftigung bei. Viele Fördermaßnahmen sind vor allem auf die Stärkung des Mittelstandes ausgerichtet insbesondere durch die Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovationen. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Umsetzung der Energiewende, hier vor allem die Maßnahmen des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz.

Durch die Bereitstellung zusätzlicher Mittel im Rahmen des Investitionspakets der Bundesregierung ist es gelungen, die Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) auf das in der Koalitionsvereinbarung vorgesehene Niveau anzuheben. Mit dem Haushaltsentwurf ist es auch gelungen, neue Förderschwerpunkte zu setzen.

Details zu den Haushaltsansätzen können dem beigefügten Tableau (PDF: 75 KB) entnommen werden.

Zu den einzelnen Politikbereichen:

Innovation, Technologie und Neue Mobilität

  • Innovationsförderung und -beratung
    Schwerpunkt der Förderung des innovativen Mittelstandes ist das technologieoffene Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) mit rd. 538 Mio. Euro. Den neuen Ländern sollen mindestens 40 % dieser Mittel zugute kommen. Das Beratungsprogramm go-Inno unterstützt mit mehr als 9 Mio. Euro kleine und mittlere Unternehmen bei Produkt- und Prozessinnovationen sowie bei der Reduzierung von Kosten für Rohstoffe und Material in Form von Gutscheinen für speziell ausgerichtete Beratungen. Für die Unterstützung von Diversifizierungsstrategien von Unternehmen der Verteidigungswirtschaft im Bereich der Technologien für zivile Sicherheit sind Mittel in Höhe von 10 Mio. Euro vorgesehen.
  • Industrieforschung für Unternehmen
    Für die Unterstützung der Industrieforschung für Unternehmen stehen rund 202 Mio. Euro zur Verfügung. Damit werden zum einen vorwettbewerbliche Forschungsaufgaben mit hohem Umsetzungspotenzial gefördert und zum anderen Projekte gemeinnütziger externer Forschungseinrichtungen in den neuen Ländern, die keine staatliche Grundfinanzierung erhalten.
  • Technologie- und Innovationstransfer
    Unter der Dachmarke TuIT wird mit rund 29 Mio. Euro der Technologie- und Innovationstransfer unterstützt. Hierzu gehören beispielsweise Fördermaßnahmen zur Sicherung und Verwertung Geistigen Eigentums sowie die Förderung des Normenwesens.
  • Neue Mobilität
    In den Bereichen Maritime Wirtschaft und Verkehrstechnologien werden von 96 Mio.Euro rund 79 Mio. Euro für die FuE-Programme Maritime Technologien (32 Mio. Euro) und Neue Fahrzeug- und Systemtechnologien (47 Mio. Euro) eingesetzt.
  • Luft- und Raumfahrt, DLR
    Für die Forschungsförderung der technologieintensiven Luftfahrtindustrie sind 2016 insgesamt rund 152 Mio. Euro vorgesehen. Der Bund wird für geplante Neubewilligungen über die nächsten Jahre bis zu 115 Mio. Euro bereit stellen, um in der zivilen Luftfahrtindustrie international wettbewerbsfähige Forschungsrahmenbedingungen und einen Beitrag zur Sicherung hoch qualifizierter Arbeitsplätze in Deutschland zu leisten. In der Raumfahrt stehen inklusive der Grundfinanzierung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) (einschließlich der Forschungsfelder Luftfahrt, Energie und Verkehr) 2016 über 1,43 Mrd. Euro zur Verfügung. Davon sind 273 Mio. Euro im Nationalen Weltraumprogramm veranschlagt. Die Mittel für die internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Europäischen Weltraumorganisation ESA steigen 2016 auf rd. 782 Mio. Euro an. Dieser Aufwuchs dient insbesondere der Finanzierung des deutschen Anteils an der Entwicklung der neuesten Generation europäischer Trägerraketen, der Ariane 6, wie dies gemeinsam mit den europäischen Partnern im Dezember 2014 auf der ESA-Ministerkonferenz in Luxemburg vereinbart wurde. Das BMWi fördert auf diesem Wege den Fortschritt der Raumfahrttechnologie und trägt wesentlich zur Erhaltung einer wettbewerbsfähigen europäischen und deutschen Raumfahrtindustrie bei. Ergänzend stehen aus dem Investitionspakt (veranschlagt im Epl. 60) zusätzlich 3 Mio. Euro p.a. in den Haushaltsjahren 2016 bis 2018 für das DLR zur Verfügung.
  • Digitale Agenda
    Im Bereich der Digitalen Agenda werden die Mittel auf fast 84 Mio. Euro erhöht. Schwerpunkt ist die Entwicklung digitaler Technologien, für die mehr als 56 Mio. Euro veranschlagt werden. Weitere Schwerpunkte sind die Einführung und Verbreitung moderner Informations- und Kommunikationstechniken in mittelständischen Betrieben und im Handwerk ("Mittelstand digital") sowie der Bereich Potenziale der digitalen Wirtschaft mit dem Schwerpunktthema IT-Sicherheit.

Mittelstand: Gründen, Wachsen, Investieren

  • Initiative "Neue Gründerzeit"
    Innovative Unternehmensgründungen werden 2016 mit insgesamt 70,8 Mio. Euro unterstützt. U.a. soll mit dem Förderprogramm EXIST eine Kultur der unternehmerischen Selbständigkeit an Hochschulen und Forschungseinrichtungen etabliert und die Zahl der Ausgründungen aus wissenschaftlichen Einrichtungen erhöht werden. Der Investitionszuschuss für Business Angel (INVEST) zielt auf eine Stärkung des Wagniskapitalmarktes in Deutschland. Hierfür werden 2016 20 Mio. Euro zur Verfügung stehen. Daneben wird der High-Tech-Gründerfonds, dessen Finanzierung seit 2013 aus dem Wirtschaftsplan des ERP-Sondervermögen (ERP) erfolgt, weiterhin Finanzierungen für technologieorientierte Unternehmensgründungen gewähren; aus dem BMWi-Haushalt werden bis 2016 zur Unterstützung nur noch feste Zuweisungen an das ERP von jeweils 5 Mio. Euro jährlich geleistet. Für weitere Projekte der Initiative "Neue Gründerzeit" stehen 5,5 Mio. Euro bereit.
  • Fachkräftesicherung/Berufliche Bildung
    Zur Unterstützung der Fachkräftesicherung stehen 2016 insgesamt rund 17,6 Mio. Euro zur Verfügung. Die 2012 als Teil der Fachkräfteoffensive von BMAS, BMWi und BA gestartete erfolgreiche Kampagne zur Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland wird auch in 2016 mit 4,5 Mio. Euro fortgeführt. Im Rahmen der neuen Allianz für Aus- und Weiterbildung (Laufzeit 2015 - 2018) sind für gemeinsame Initiativen mit den Ländern und den Sozialpartnern rund 6,5 Mio. Euro etatisiert. Für die Vermittlung sozialer Kompetenz in der Ausbildung stehen 2016 erstmals 5 Mio. Euro zur Verfügung. Die Vermittlung sozialer Kompetenz soll die Chancen für einen erfolgreichen Abschluss der Ausbildung und die anschließende Übernahme in ein Arbeitsverhältnis erhöhen und zugleich einen Beitrag zur ressortübergreifenden Strategie zur Demokratieförderung und Extremismusprävention leisten. Das Programm Berufliche Bildung (insg. rund 74 Mio. Euro) unterstützt überbetriebliche Lehrgänge im Handwerk sowie die Errichtung, Modernisierung und Ausstattung überbetrieblicher Bildungsstätten der gewerblichen Wirtschaft. Ergänzend stehen aus dem Investitionspakt (veranschlagt im Epl. 60) zusätzlich 8 Mio. Euro p.a. in den Haushaltsjahren 2016 bis 2018 zur Verfügung.
  • Regionale Wirtschaftsförderung
    Für die Investitionsförderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) sind 2016 insgesamt 624 Mio. Euro vorgesehen. Der Ansatz von 600 Mio. Euro wird um 24 Mio. Euro aus dem zusätzlichen Investitionspaket ergänzt. Zusammen mit der Kofinanzierung der Länder kann ein Bewilligungsrahmen für neue Investitionsvorhaben der gewerblichen Wirtschaft und Maßnahmen zur Verbesserung der kommunalen wirtschaftsnahen Infrastruktur von 1,25 Mrd. Euro in strukturschwachen Regionen mobilisiert werden.
  • Förderung unternehmerischen Know-Hows
    Das "Unternehmerische Know-how" vor allem des deutschen Mittelstandes wird in 2016 mit rund 38 Mio. Euro gefördert. Das gebündelte Programm unterstützt durch verschiedene Maßnahmen kleine und mittlere Unternehmen bei der frühzeitigen Inanspruchnahme von externem, qualifiziertem Know-how zu allen Fragen der Unternehmensführung.
  • Potenziale in der Dienstleistungswirtschaft
    Für die Unterstützung und Erschließung neuer Leitmärkte im Dienstleistungssektor und zur Erschließung der Potenziale in den Bereichen Kultur- und Kreativwirtschaft, Gesundheitswirtschaft, Tourismus u.a. stehen 2016 insgesamt rund 15,5 Mio. Euro zur Verfügung. Dazu gehört auch ein neues Programm zur Förderung der Filmwirtschaft in Höhe von 10 Mio. Euro, das der Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft des Filmstandorts Deutschland dienen soll. Dabei wird der Einsatz moderner Technik aus Deutschland besonders berücksichtigt werden.

Energie und Nachhaltigkeit

  • Forschungs- und Entwicklungsvorhaben
    Für Forschung und Entwicklung im Bereich Energieeffizienz, Erneuerbare Energien sowie Sicherheitsforschung für kerntechnische Anlagen werden in Umsetzung des 6. Energieforschungsprogramms etwa 347 Mio. Euro für 2016 bereitgestellt.
  • Steigerung der Energieeffizienz
    Für Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, insbesondere die unabhängige Energieberatung für kleine und mittlere Unternehmen und private Verbraucher, stehen für 2016 wieder rund 30 Mio. Euro zur Verfügung. Zusätzliche Mittel zur Umsetzung des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE) werden im Energie- und Klimafonds (EKF) und im Investitionspaket der Bundesregierung im Epl. 60 bereitgestellt.
  • Förderung von Einzelmaßnahmen zur Nutzung Erneuerbarer Energien
    Das Marktanreizprogramm (MAP) zur Förderung von Anlagen zur Nutzung Erneuerbarer Energien mit dem Schwerpunkt im Wärmemarkt sowie der Energiegewinnung aus Geothermie und Biomasse verfügt zusammen mit der Finanzierung des Betriebs der Clearingstelle EEG über Mittel in Höhe von insgesamt rund 249 Mio. Euro in 2016. Auch hier sind im Energie- und Klimafonds (EKF) ergänzend Mittel vorgesehen (s. u.).
  • Auslaufen der Steinkohlesubventionen/Wismut-Sanierung
    Für den Steinkohlenbergbau sind im Rahmen der beschlossenen sozialverträglichen Beendigung des subventionierten Steinkohlenbergbaus einschließlich des Anpassungsgeldes für ausscheidende ältere Beschäftigte Mittel in Höhe von rund 1,282 Mrd. Euro vorgesehen. Für die fortlaufende Sanierung und Rekultivierung der ehemaligen Uranerzbergbauflächen in Sachsen und Thüringen durch die Wismut GmbH sind für 2016 Mittel in Höhe von insgesamt 135 Mio. Euro vorgesehen, darunter 8 Mio. Euro für die Sanierung von Altstandorten im Freistaat Sachsen.
  • Energetische Gebäudesanierung
    Zur Ausfinanzierung der bis 2011 getätigten Förderzusagen in den KfW-Förderprogrammen zum energieeffizienten Bauen und Sanieren "CO2-Gebäudesanierungsprogramm" sind Mittel in Höhe von rund 474 Mio. Euro veranschlagt. Das CO2-Gebäudesanierungsprogramm ist ein wesentliches Element der Energiewende und ein wichtiges Instrument der Bundesregierung zur Umsetzung der klima- und energiepolitischen Ziele im Gebäudebereich. Neuzusagen in diesen Förderprogrammen werden seit 2012 über Mittel des EKF finanziert (s.u.) sowie ab 2016 zusätzlich aus dem Investitionspaket (Epl. 60).

Chancen der Globalisierung

  • Erschließung von Auslandsmärkten
    Die verschiedenen Maßnahmen zur Exportförderung wurden in einem "Programm zur Erschließung von Auslandsmärkten" (rund 81 Mio. Euro) gebündelt. Das Programm besteht aus verschiedenen Exportinitiativen, Messebeteiligungen, der Managerfortbildung und der Mitgliedschaft Deutschlands in der Extractive Industries Transparency Initiative (EITI).
  • Dienstleistungen der GTAI
    Ein wichtiges Standbein ist zudem die Außenwirtschaftsförder- und Standortmarketinggesellschaft des Bundes, Germany Trade and Invest (GTAI). Hierfür sowie für das Netzwerk der Auslandshandelskammern sind rund 66 Mio. Euro vorgesehen.
  • Sonstiges
    Darüber hinaus werden aus diesem Kapitel auch das langfristige Großprojekt "Errichtung einer Stadtbahn in Ho Chi Minh-Stadt" (5 Mio.), die Teilnahme Deutschlands an Weltausstellungen (rund 7 Mio. Euro), Beiträge an internationale Organisationen mit Sitz im Ausland (u.a. WTO, ITU und OECD) sowie die institutionelle Förderung der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT rd. 30 Mio. Euro) finanziert. Zur Unterstützung des Reformprozesses in wirtschaftspolitischen Bereichen in den arabischen Reformstaaten (Transformationspartnerschaften) ist die Bereitstellung von 1 Mio. Euro vorgesehen.

Sonstige Bewilligungen

Neben den Ausgaben für die Kommunikative Begleitung und Evaluation wirtschafts- und technologiepolitischer Vorhaben stehen im Kapitel 0910 rund 50 Mio. Euro für Forschung und die Beteiligung des Bundes an den 8 dem BMWi zugeordneten Mitgliedseinrichtungen der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried-Wilhelm-Leibniz e.V. (WGL) sowie 3,7 Mio. Euro für Schwerpunktvorhaben der Beauftragten für die Belange der neuen Länder zur Verfügung. Erstmalig veranschlagt sind Mittel für das Bündnis Zukunft der Industrie mit 5 Mio. Euro.

Energie- und Klimafonds (EKF)

Die gezielten Förderungen des BMWi werden 2016 durch zusätzliche Mittel von insgesamt rund 1,6 Mrd. Euro aus dem EKF ergänzt. Damit ist der EKF für das BMWi das zentrale Finanzierungsinstrument für die Energiewende. Für Energieforschung in den Bereichen Energieeffizienz und Erneuerbare Energien sind knapp 187 Mio. Euro veranschlagt, für den Energieeffizienzfonds rund 180 Mio. Euro und für Elektromobilität rund 66,5 Mio. Euro. Zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmemarkt stehen gut 112 Mio. Euro im Rahmen des Markteinführungsprogramms zur Förderung des Einsatzes Erneuerbarer Energien (MAP) bereit. Für Neuzusagen im Rahmen der energetischen Gebäudesanierung sind Mittel i. H. v. 1,8 Mrd. Euro etatisiert und weitere 200 Mio. Euro werden im Investitionspaket (Kapitel 6002) veranschlagt. Zudem sind im Jahr 2016 für Zuschüsse an stromintensive Unternehmen mit dem Ziel des Ausgleichs emissionshandelsbedingter Strompreiserhöhungen (Strompreiskompensation) 245 Mio. Euro vorgesehen. Etwa 18,7 Mio. Euro stehen für Internationale Energiezusammenarbeit, Rohstoffpartnerschaften und Technologiezusammenarbeit zur Verfügung, hinzu kommen 5,6 Mio. Euro zur Förderung der Kooperation mit anderen Staaten im Rahmen der EU-Richtlinie Erneuerbare Energien.

--------------------------------------

[1] Inkl. Nachtragshaushalt 2015.