Pressemitteilung
12.12.2016

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland im Dezember 2016

Wachstumskurve mit Kugelschreiber symbolisiert die wirtschaftliche Lage; Quelle: iStockphoto.com/blackred
© iStockphoto.com/ blackred
  • Das Wirtschaftswachstum dürfte im vierten Quartal wieder etwas Fahrt aufnehmen, nachdem es sich im dritten Quartal wie erwartet verlangsamt hatte.
  • Das weltwirtschaftliche Umfeld ist weiterhin schwierig, scheint sich aber allmählich ein wenig aufzuhellen, sodass sich die Exportaussichten etwas verbessern.
  • Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat sich im dritten Quartal stabilisiert und im Oktober seitwärts bewegt. Die Indikatoren deuten auf eine gewisse Belebung in den kommenden Monaten hin.
  • Die Nachfrage nach Arbeitskräften verliert etwas an Dynamik, bleibt aber weiterhin hoch. Der private Konsum erhält weiterhin zuverlässige Impulse vom Arbeitsmarkt.

Die Konjunktur dürfte im Jahresendquartal wieder etwas Fahrt aufnehmen. [1] Im dritten Quartal hatte sie sich abgeschwächt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nahm lediglich um 0,2 % gegenüber dem Vorquartal zu. [2] Die Konsumausgaben der privaten Haushalte und des Staates wurden kräftig erhöht und auch die Bauinvestitionen ausgeweitet. Die Investitionen in Ausrüstungen wurden dagegen angesichts der schwachen Exportentwicklung und der Unwägbarkeiten aus dem außenwirtschaftlichen Umfeld eingeschränkt. Im Ergebnis stand einer robusten Binnennachfrage ein negativer Wachstumsbeitrag des Außenhandels gegenüber. Die Weltkonjunktur scheint sich aber im zweiten Halbjahr ein wenig zu beleben. Das Geschäftsklima hat sich auch deshalb wieder spürbar aufgehellt. Die Bestellungen des Verarbeitenden Gewerbes erhielten im Oktober einen außergewöhnlichen Schub. Zwar hat sich der Anstieg der Beschäftigung seit dem Sommer auch in Dienstleistungsbereichen spürbar verlangsamt. Aber gerade auch im tertiären Bereich ist die Konjunktur nach einer zögerlichen Entwicklung im dritten Quartal weiter aufwärtsgerichtet. Die gesamtwirtschaftliche Leistung sollte daher im vierten Quartal etwas stärker zunehmen als im Vorquartal.

Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich insgesamt etwas aufgehellt. Die weltweite Industrieproduktion ist weiter leicht aufwärtsgerichtet, was vor allem auf die Schwellenländer zurückgeht. In den Vereinigten Staaten hat die Konjunktur im dritten Quartal wieder an Dynamik gewonnen. Dies dürfte sich im vierten Quartal fortsetzen. Die Wirtschaftsleistung der EU-28 ist im dritten Quartal um 0,4 % gegenüber dem Vorquartal gestiegen. Alle Länder konnten ein Wachstum verzeichnen. Das Vereinigte Königreich wuchs in Folge der Pfund-Abwertung nach dem Brexit-Referendum mit +0,5 % sogar recht deutlich. Das Wachstum in China schwächt sich tendenziell weiter ab, bleibt aber vergleichsweise hoch. Die großen rohstoffexportierenden Schwellenländer Russland und Brasilien dürften allmählich ihre Rezession verlassen. Auch in den Industriestaaten dürfte sich das Wachstum etwas beschleunigen. Insgesamt wird das globale Wachstum, aufgrund des schwachen ersten Halbjahrs, im Jahr 2016 geringer ausfallen als im Vorjahr. Die OECD erwartet im Jahr 2016 einen Anstieg des globalen BIP von 2,9 %. Im Jahr 2017 dürfte sich das Wachstum auf 3,3 % beschleunigen. Die Unsicherheiten bleiben allerdings nicht zuletzt aufgrund des Brexit, der Unwägbarkeiten der zukünftigen US-Politik und der politischen Lage in Italien hoch.

Angesichts der leichten Belebung der Weltkonjunktur sind die deutschen Ausfuhren wieder leicht aufwärtsgerichtet. Die temporäre Schwächephase im Sommer scheint überwunden. Saisonbereinigt sind die Ausfuhren im Oktober um 0,5 % gegenüber dem Vormonat gestiegen. Sie liegen nun wieder auf dem Niveau vom Frühjahr dieses Jahres. Die nominalen Einfuhren haben im Oktober mit saisonbereinigt 1,3 % etwas stärker zugenommen. Im Dreimonatsvergleich sind die Wareneinfuhren mit einem Zuwachs von 2,0 % in etwa so stark gestiegen wie die Ausfuhren mit 1,9 %. Vom Außenhandel gehen demnach per Saldo gegenwärtig keine deutlichen Wachstumsimpulse aus. Die Entwicklung der nationalen Konjunkturindikatoren wie die industriellen Auftragseingänge, die Exporterwartungen der Unternehmen sowie die der realen effektiven Wechselkurse deuten aber wie auch die allgemeine Einschätzung der Weltkonjunktur auf eine moderate Exportbelebung hin.

Die Industrieproduktion entwickelte sich zuletzt seitwärts. Sie stagnierte im Oktober annähernd mit +0,1 % im Vergleich zum Vormonat. Im Zweimonatsvergleich wurde die Produktion von Vorleistungsgütern um 0,6 % und die von Investitionsgütern um 0,2 % ausgeweitet. Die Herstellung von Konsumgütern ging leicht zurück. Der deutliche Anstieg der Auftragseingänge zu Beginn des vierten Quartals (+4,9 %) hat kurzfristig noch zu keiner Ausweitung der Produktion in der Industrie geführt. Die Industrieproduktion konnte sich somit noch nicht nachhaltig aus der Stagnation im dritten Quartal lösen. Die Produktion im Baugewerbe hat sich dagegen zu Beginn des vierten Quartals um 1,7 % im Vergleich zum Vormonat deutlich erhöht. Die verbesserten industriellen Auftragseingänge und das günstigere Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe und im Baugewerbe deuten nunmehr auf eine gewisse Belebung der Konjunktur im Produzierenden Gewerbe zum Jahresende hin.

Im dritten Quartal wurden die privaten Konsumausgaben um 0,4 % ausgeweitet und leisteten damit erneut einen wesentlichen Beitrag zum Wachstum des BIP. Auch im Jahresschlussquartal dürfte der private Konsum eine wichtige Stütze der konjunkturellen Entwicklung bleiben. So sind die Umsätze im Einzelhandel im Oktober kräftig um 2,4 % gestiegen und auch die Kfz-Umsätze legten in den vergangenen Monaten wieder spürbar zu. Die Stimmung im Einzelhandel hat sich im November auf hohem Niveau verbessert und auch das GfK-Konsumklima der Verbraucher ist zuletzt gestiegen. Der Anstieg der Verbraucherpreise zum Vorjahr blieb mit 0,8 % im November noch moderat, dürfte aber allmählich weiter zunehmen.

Die positiven Entwicklungen am Arbeitsmarkt setzten sich fort, wenn auch verlangsamt. Die Erwerbstätigkeit ist in diesem Jahr weiter gestiegen, wenn auch seit den Sommermonaten nicht mehr ganz so dynamisch. Im Oktober lag sie bei gut 43,8 Mio. Personen, 0,8 % über Vorjahresniveau. Bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung indes ist seit Juni kein klarer Aufwärtstrend mehr erkennbar, wobei auch im September der Vorjahresstand deutlich überschritten (+1,3 %) wurde. Auch deuten die Frühindikatoren weiterhin auf eine hohe Nachfrage nach Arbeitskräften hin. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen ist im November weiter leicht rückläufig. Sie sank im November saisonbereinigt um 5.000 Personen und beträgt nach den Ursprungszahlen 2,53 Mio. Personen. Tendenziell dürfte diese Entwicklung anhalten. Gebremst wird der Abbau durch den Zugang von Flüchtlingen zum Arbeitsmarkt, der vor allem durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen aufgefangen wird. Insgesamt dürften vom Arbeitsmarkt auch weiterhin positive Impulse für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ausgehen.

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Hinweis:
Eine ausführliche Darstellung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und Entwicklung wird in der Januar-Ausgabe des Monatsberichts "Schlaglichter der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht. Diese Ausgabe wird voraussichtlich in der 52. Kalenderwoche auf der Internetseite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden sein.

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[1] In diesem Bericht werden Daten verwendet, die bis zum 9. Dezember 2016 vorlagen.
[2] Soweit nicht anders vermerkt, handelt es sich um Veränderungsraten gegenüber der jeweiligen Vorperiode auf Basis preisbereinigter sowie nach dem Verfahren Census X-12-ARIMA kalender- und saisonbereinigter Daten.

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