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Deutschland soll bis 2025 zum Leitanbieter und -anwender von Industrie 4.0 werden

Grußwort von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel für die Sonderveröffentlichung des Handelsblatts zu "Industrie 4.0"

Datum: 21.10.2016

Die erste industrielle Revolution wurde ausgelöst durch Dampfmaschinen und Eisenbahnen. Die Erfindung der Elektrizität prägte die zweite. Und die dritte industrielle Revolution begann mit Konrad Zuses Z3-Computer und führte zum Durchbruch der Großrechner und Automatisierung. Nun eröffnet die vierte Revolution, die Digitalisierung der Industrie, die Chance auf den nächsten Produktivitätsschub.

Das deutsche Schlagwort "Industrie 4.0" hat sich inzwischen auch international als Umschreibung für diese Vernetzung und Digitalisierung der Industrie - neben dem englischen Begriff des "Internet of Things" - durchgesetzt. Industrie 4.0 steht für die Verschmelzung der physischen Welt von Maschinen und Anlagen mit der digitalen Welt von Bits und Bytes.

Dieser Prozess ist bereits in vollem Gange und verspricht Chancen für den Innovations- und Wirtschaftsstandort Deutschland. Unser Ziel ist es, dieses Potenzial zu nutzen, um die industrielle Stärke Deutschlands zu sichern und weiter auszubauen. Unser Land soll bis 2025 zum Leitanbieter und -anwender von Industrie 4.0 und damit zum modernsten Industriestandort der Welt werden.

Die Voraussetzungen dafür sind gut: Deutschland ist heute ein weltweit führender Anbieter von Industrie 4.0-Technologien. Deutsche Unternehmen kennen den Bedarf ihrer Kunden weltweit. Unser Land verfügt über hervorragende Kompetenzen in den Unternehmen und gut qualifizierte Facharbeiter. Diese günstige Startposition wollen wir nutzen! 

Dabei stellen wir uns auch neuen Herausforderungen. Denn Industrie 4.0 verändert die Produk­tions-, Arbeits- und Lebenswelt, aber auch die internationalen Wertschöpfungsketten. Der Wettbewerb, insbesondere mit den USA und den asiatischen Ländern, ist intensiv. Viele deutsche Unternehmen wissen, wie sie ihr Angebot an digitalen Diensten und Produkten ausbauen müssen, um weiterhin global wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Für uns ist der digitale Wandel nicht nur ein wirtschaftliches Handlungsfeld, sondern auch eine gesellschaftspolitische Gestaltungsaufgabe. Zu den Themen, die wir gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft, Sozialpartnern und Bevölkerung gestalten wollen, gehören dabei digitale Infrastruktur, Datensouveränität, ein modernes Aus- und Weiterbildungssystem sowie neue Technologien. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat mit der Digitalen Strategie 2025 dazu einen umfassenden Plan vorgestellt. 

Einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Industrie leistet die Plattform Industrie 4.0. Dieser Schulterschluss aus Wirtschaft, Wissenschaft und Sozialpartnern ist das zentrale Netzwerk und der Impulsgeber, um die digitale Transformation produzierender Unternehmen und ihrer Produkte zu unterstützen. 

Besonders wichtig ist, dass wir die kleinen und mittleren Unternehmen mitnehmen. Gerade sie benötigen bei der Umsetzung digitaler Produktions- und Arbeitsprozesse Hilfestellung und prak­tische Hinweise. Eine Möglichkeit hierzu bieten die bundesweiten Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert werden. Sie sensibilisieren, informieren und qualifizieren vor allem kleine und mittlere Unter­nehmen und bieten ihnen praxisnah konkrete Anschauungs- und Erprobungsmöglichkeiten von Industrie 4.0-Anwendungen. 

Der Prozess der Digitalisierung prägt maßgeblich die Art und Weise, wie wir in Deutschland künftig leben, arbeiten und produzieren werden. Heute werden wichtige Grundlagen für den Wettlauf um die Produkte und die Märkte von morgen gelegt. Die internationale Wettbewerbs­fähigkeit der deutschen Industrie hängt davon ganz entscheidend ab. Die vorliegende Publikation vermittelt ihnen hierzu einen breiten Überblick.

Quelle: Handelsblatt Beilage, 21.10.2016

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