Politik für Ausbildung und Beruf

Auszubildende und Ausbilder
© iStockphoto.com/lisafx

Das Duale Ausbildungssystem trägt entscheidend dazu bei, dass Deutschland die geringste Jugendarbeitslosigkeit innerhalb der Europäischen Union hat. Handwerk, Dienstleistung und Industrie suchen Auszubildende, vor allem im Service und im technischen Bereich. "Karrieren im Dualen Berufsbildungssystem waren selten so aussichtsreich wie heute. Denn die deutsche Wirtschaft ist auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen," so der Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, anlässlich des Starts des Ausbildungsjahres 2015/16.

Motivierte, die die Schule verlassen, haben gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Nicht immer im Traumberuf, aber bei den 327 dualen Ausbildungsberufen bundesweit hat jeder Suchende die Möglichkeit, etwas Passendes zu finden.

Damit das so bleibt und um den sich ständig ändernden Anforderungen gerecht zu werden, hat das BMWi zusammen mit den Sozialpartnern zum Beginn des Ausbildungsjahres 2016 wieder einige Ausbildungsordnungen modernisiert und sie aktuellen technischen Entwicklungen angepasst. Die Ausbildungs- und Prüfungsinhalte folgender Berufe wurden zukunftsfest überabreitet:

Anlagenmechaniker für Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik
Im Sanitär und Klimabereich hält die Digitalisierung verstärkt Einzug. Vernetzte Systemtechnik (Smart Home) und das Thema Nachhaltigkeit gewinnen an Bedeutung.

Dachdecker
Vor allem das Einbauen von Energiesammlern und Energieumsetzern (Photovoltaik- und Solarthermieanlagen) erfordern neue Kompetenzen. Auch ändern sich die energetischen Maßnahmen an der Gebäudehülle (Moderne Wärmedämmstoffe, hinterlüftete Wandbekleidungssysteme und neue Unterkonstruktionen für Dächer).

Fachkraft für Veranstaltungstechnik
Die Fachkräfte werden nach den neuen Qualifikationen auch als Elektrofachkräfte für festgelegte Tätigkeiten eingesetzt. Aufbauen und Betrieb ortsveränderlicher elektrischen Anlagen, sowie die Inbetriebnahmen von Beleuchtungs-, Beschallungs-, Projektions-, Signalübertragungs- und Aufnahmeanlagen werden fester Bestandteil der Prüfung.

Graveur
Die Unterscheidung in verschiedene Schwerpunkte wird abgeschafft. Hierdurch verbessert sich die breite Einsetzbarkeit der Fachkräfte. Die Vergrößerung der Palette der bearbeiteten Materialien, neue materialabtragende und materialaufbauende Verfahren sowie die CAD-Programmierung prägen den neuen Beruf.

Hörakustiker
Die gezielte Anamnese zur Bestimmung des individuellen Hörprofiles, die Versorgung mit Hörsystemen, Hörassistenzsystemen, Sonderversorgungen und Zubehör werden stärker ausgeprägt. Hinzu kommen Rehabilitationsmaßnahmen und fortlaufende audiologische Nachsorge sowie die neuen elektronischen Abrechnungsprozesse.

Mediengestalter Digital und Print
Fortschreitende Digitalisierung macht die bisher eher produktbezogene Abgrenzung zwischen medialen Ausbildungsberufen unnötig. Die Berufsqualifizierung zum bisherigen Mediengestalter Flexografie geht in die Ausbildung zum Mediengestalter Digital und Print auf.

Metallbildner
Die handwerkliche Goldschlagtechnik wird ersetzt. Die neue Berufsausbildung trägt der Materialvielfalt, aktuellen Verbundwerkstoffen, neuen Herstellungsverfahren, der CAD- und CNC-Programmierung sowie neuen - auch digitalisierten - Informations- und Kommunikationstechniken Rechnung.

Rollladen- und Sonnenschutzmechatroniker
Rollläden, Markisen, Jalousien, Tore und Rollgitter sind heute in fast allen Betrieben, Lagern und Geschäften mit programmierbaren Steuerungssystemen ausgestattet. Die neue Ausbildungsordnung berücksichtigt neben den technischen Fragen, alle Aspekte der einschlägigen Kundenberatung.

Potenziale zu erkennen und zu mobilisieren ist die zentrale Herausforderung an das duale System. Für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie stehen dabei folgende Aspekte im Vordergrund:

1. Übersichtliche Regelungen

Handliche Ausbildungsordnungen mit berufsprägenden Mindestanforderungen erleichtern es den Betrieben, in der laufenden Produktion oder im Dienstleistungsbereich prozessorientiert auszubilden. Aufwendige Verbundlösungen und überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen können so vermieden werden.

2. Mehr Durchlässigkeit

Zukünftig kann es nicht mehr nur darum gehen, die Anforderungen an die Berufsausbildung immer komplexer und komplizierter zu gestalten. Wir brauchen Flexibilität und Dynamik, um mit unseren dualen Berufen

  1. alle Arten und Größen von Betrieben und
  2. mindestens alle Jugendlichen mit Schulabschluss zu erreichen.

Auch junge Leute mit weniger guter Startposition müssen wieder ohne Warteschleifen und Übergangsmaßnahmen in Berufsausbildung gebracht werden. 

Neue Impulse setzte am 23. Juli 2015 der Mittelstandsdialog (PDF: 1,4 MB) zwischen BMWi, BDI, DIHK und ZDH, der sich zu Ausbildungsordnungen mit weniger komplexen Anforderungen und zweijährigen Berufen bekennt. Bereits am 21. Mai 2015 hatte der Branchendialog des BMWi (PDF: 8,4 MB) mit Spitzenvertretern aus Wirtschaft, Gewerkschaft und Verbänden der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie auch die jungen Menschen ohne Abitur und Fachoberschulreife im Fokus. Um den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern, werden die Betriebe verstärkt die durchlässigen Strukturen der Ausbildung nutzen. Sie wollen den Wert einer dualen Ausbildung als gleichwertige Alternative zu einem Studium wieder stärker in das Bewusstsein der Menschen bringen. (Beispiel siehe Infografik).

3. Optimierung der Prüfungen

Abschlussprüfungen sind so zu optimieren, dass die Mitarbeit im Prüfungsausschuss auch für Unternehmer und aktive Beschäftigte wieder interessant wird und nicht nur Kostenfalle für Ausbildungsbetriebe. Im Vordergrund stehen die klare Ausrichtung der Prüfung auf das Berufsprägende, einheitliche Prüfungsinstrumente und straffe Prüfungszeiten.