Stromnetze der Zukunft: Herausforderungen und Antworten

Strommasten mit Hochspannungsleitung; Quelle: Colourbox.com
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Herausforderungen und Antworten

Die Netze stehen europaweit vor drei großen Herausforderungen:

  • Die Stromerzeugung wird ungleichmäßiger ("der Wind weht nicht immer"): Schwankungen haben Auswirkungen auf die Stabilität der Netze. Das gilt für die großen, quer durch Deutschland verlaufenden Höchstspannungsleitungen ("Übertragungsnetze") ebenso wie für regionalen Stromleitungen ("Verteilnetze").
  • Eine Vielzahl kleiner Stromerzeugungsanlagen geht ans Netz (z.B. Photovoltaikanlagen auf Dächern, kleine Windparks): Früher floss der Strom in einer Einbahnstraße von den Übertragungsnetzen über die Verteilnetze bis zum Verbraucher. Heute müssen die Netze den Stromtransport mit Gegenverkehr bewältigen, d.h. von "oben nach unten" und von "unten nach oben".
  • Der EU-weite Stromhandel nimmt zu: Deutschland - als Transitland zwischen den west- und osteuropäischen Strommärkten - wird perspektivisch deutlich mehr grenzüberschreitenden Stromhandel abwickeln als andere Länder.


Angesichts dieser Herausforderungen dürfen Erzeugung, Netz und Transport sowie Verbrauch nicht isoliert betrachtet werden. Es ist eine ganzheitliche Betrachtung notwendig:

  • Neue Leitungen: Nur mit neuen Leitungen kann die Distanz zwischen Erzeugungsschwerpunkten und Verbrauchszentren überbrückt werden. Deswegen wurden das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) und das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) auf den Weg gebracht, mit denen der Bau von Leitungen mit dringendem Ausbaubedarf beschleunigt werden soll.
  • Neue Technologien: Die Erprobung von Erdkabeln und der Einsatz von Hochspannungsgleichstromübertragung (HGÜ) soll dort möglich sein, wo es technisch sinnvoll und wirtschaftlich effizient ist. Außerdem muss die Forschung als Grundlage für die Erschließung technologischer Potentiale gestärkt werden (6. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung).
  • "Smart Grids": Netze, Erzeugung und Last müssen effizient und intelligent miteinander verknüpft werden.


Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen - Netzbetreiber, die Planungs- und Genehmigungsbehörden vor Ort und Bürgerinitiativen. Nur durch Austausch und Kooperation entsteht ein Bewusstsein für den dringend erforderlichen Netzausbau. Deshalb haben Bundestag und Bundesrat auf Initiative der Bundesregierung im Sommer 2011 eine grundlegende Reform der Planungs- und Genehmigungsverfahren beschlossen, die u. a. darauf zielt, Bürger früher in die Netzplanung einzubeziehen. Zwei Gesetze bereiten den Weg für den beschleunigten Netzausbau: die Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) und das neue NABEG.