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Unternehmen mit innovativen Ideen können das Leben vieler Menschen verbessern.
Damit aus vielversprechenden Innovationen marktreife Produkte oder Dienstleistungen werden, fördert das BMWi ausgewählte Technologieprojekte. In dieser neuen Rubrik stellen wir Ihnen einige dieser innovativen Projekte vor: unsere HIGHtechLIGHTS.

Bewegungsanalyse für Film und Wissenschaft - zu jeder Zeit, an jedem Ort

Wenn man die Bewegungen eines Menschen einfach so in Echtzeit erfassen und am Computer darstellen könnte, ließen sich nicht nur Superhelden in Filmen und Computerspielen schneller zum Leben erwecken. Auch der Sport- und Medizinbereich würde von so einer Technik profitieren. Aber wieso "könnte", "ließe" und "würde"? Saarbrücker Informatiker haben die Technik bereits entwickelt.

Bewegungsanalyse ohne Hindernisse; Quelle: Filmakademie Baden-Württemberg GmbH/The Captury GmbH
© Filmakademie Baden-Württemberg GmbH/The Captury GmbH

Gollum aus den "Herr der Ringe"-Filmen schleicht durch Mittelerde. Der Drache Smaug bewacht in der Hobbit-Trilogie seinen Goldschatz. Und Spiderman fliegt durch die Straßenschluchten von New York. Drei Beispiele aus Hollywood, hinter denen dieselbe Technik steckt: das sogenannte Motion-Capture-Verfahren. Dabei verleihen echte Schauspieler den Fantasy-Gestalten Leben. Sie tragen hautenge Anzüge mit Markern, so dass ihre Bewegungen - Mimik und Gestik - mithilfe einer Software auf die virtuellen Charaktere am Computer übertragen werden können. Das Ganze ist sehr aufwendig und teuer - und nur im Studio machbar.

Dass es auch einfacher geht, haben fünf Informatiker aus Saarbrücken gezeigt: Sie haben ein Verfahren entwickelt, das ohne Anzüge und Marker auskommt und die Bewegungen der Schauspieler in Echtzeit auf die virtuellen Charaktere überträgt. Wo sich der Schauspieler befindet, spielt dabei keine Rolle mehr - Motion-Capture-Aufnahmen können also nun auch im Freien gedreht werden und nicht mehr nur im Studio.

Neue Software macht Schauspieler zu Superhelden

Die Technik, die für dieses neue Verfahren benötigt wird, ist denkbar einfach: Außer einer x-beliebigen Kamera, mit der der eigentliche Film gedreht wird, sind acht kleine Videokameras notwendig. Sie erstellen mithilfe einer Software ein 3D-Modell des gefilmten Schauspielers, das aus einem Bewegungsskelett mit 58 Gelenken besteht. Beim Dreh sorgt die Software dafür, dass sich das zweidimensionale Bild aus der Hauptkamera und das 3D-Modell der acht kleinen Kameras bestmöglich überlagern. So lassen sich die gefilmten Bewegungen des Schauspielers innerhalb weniger Millisekunden zum Beispiel auf einen virtuellen Superhelden übertragen. Für die Filmbranche bedeutet das eine kleine Revolution: Die Technik wird einfacher, die Umsetzung geht schneller, der Drehort lässt sich flexibel festlegen - kurz: Die Produktionskosten gerade für teure Motion-Capture-Effekte sinken massiv.

Die Software kann aber noch mehr: Selbst Personen, die bei einer Filmaufnahme von einer anderen Person verdeckt werden, lassen sich komplett erfassen. Dadurch ist das neue Verfahren nicht nur für die Film- und Computerspielindustrie interessant. Auch im Bereich der Sportwissenschaften oder in der Medizintechnik kann sie sinnvoll eingesetzt werden: Trainer können die Bewegungsabläufe ihrer Sportler besser analysieren, beispielsweise beim Judo. Und Ärzte oder Physiotherapeuten könnten die Technik nutzen, um die Bewegungsabläufe ihrer Patienten im Alltag zu analysieren und zu optimieren und so zum Beispiel Rückenschmerzen zu lindern.

"And The Oscar goes to ..."

Um das neue Motion-Capture-Verfahren besser zu vermarkten, haben die fünf Informatiker 2013 die Firma "The Captury" gegründet Dabei hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sie mit dem EXIST-Forschungstransfer unterstützt. Außerdem haben die fünf Informatiker mit ihrer Idee 2012 beim "Gründerwettbewerb - IKT Innovativ" teilgenommen und wurden mit einem Hauptpreis ausgezeichnet. Der Preis hat neben finanzieller Unterstützung für mehr Bekanntheit gesorgt, so dass "The Captury" bereits erste Aufträge aus der Filmindustrie erhalten hat. In fünf Jahren wollen sich die Gründer nach eigenen Angaben als Lösungsanbieter für markerloses Motion Capture etabliert haben.

Faktenübersicht:
Produkt: Software zur Bewegungsanalyse ohne Marker
Unternehmen: The Captury GmbH, Saarbrücken
Markteinführung: 2015
Förderung: EXIST-Forschungstransfer, Gründerwettbewerb - IKT Innovativ 2012
Fördersumme: EXIST: 506.849 Euro; Gründerwettbewerb: 30.000 Euro plus Coachings
Förderzeitraum: Juli 2012 bis Februar 2015

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