Raumfahrt

Internationale Raumstation ISS
© NASA

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert die deutschen Raumfahrtaktivitäten auf nationaler und europäischer Ebene. Dazu gehören nationale Projekte, die deutschen Beiträge zur Europäischen Weltraumorganisation ESA sowie der Bereich "Raumfahrtforschung und -technologie" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).


Die Raumfahrtstrategie der Bundesregierung

Hintergrund

Raumfahrt ist zu einem festen Bestandteil unseres Alltags und unverzichtbaren Instrument für Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft geworden. Raumfahrt leistet heute entscheidende Beiträge zur Förderung von Forschung und Entwicklung, Bildung und Innovation, zu Wachstum, zur Schaffung hoch qualifizierter Arbeitsplätze und zur Erhöhung unserer Lebensqualität, für den Schutz unserer Erde, für unsere Sicherheit und Verteidigung und für die internationale Zusammenarbeit.

Nahezu jedes Unternehmen und jeder Bürger nutzt heute Technologien und Dienste, die auf Raumfahrtanwendungen basieren. Fernsehen via Satellit ist eine alltägliche Selbstverständlichkeit, Kommunikationssatelliten verbinden Menschen weltweit, Satellitennavigationssysteme ermöglichen eine moderne Verkehrsplanung und Logistik. Erdbeobachtungssatelliten eröffnen neue Dimensionen in der Klimaforschung, in der Städte- und Raumplanung sowie bei der Prävention und Bewältigung von Krisen und Katastrophensituationen.

Seit dem Start des deutschen Radarsatelliten TerraSAR-X im Jahr 2007 wurden seine Daten für zahlreiche Anwendungen genutzt. Als besonders nutzbringend war dies im Falle von Katastrophen wie der des Tsunamis in Japan 2011 oder der Überschwemmungen durch die Donau in Passau 2013. Aktuelle Karten für Hilfskräfte wurden zeitnah erstellt und dienten der Abschätzung entstandener Schäden. Der Zwillingsatellit TanDEM-X liefert seit 2011 weitere Daten, die, zusammen mit denen von TerraSAR-X, zu einem hochgenauen dreidimensionalen Höhenmodell verarbeitet werden. Die Daten der beiden Satelliten sind unabdingbare Voraussetzung für die exakte Bestimmung Gletscherbewegungen. Gemessen wurde die zunehmende Rückzugsgeschwindigkeit des grönländischen Jakobshavn Isbrae. Sie beeinflusst sogar die Meeresspiegelhöhe: ein Anstieg von rund einem Millimeter in den Jahren 2000 bis 2010. Künftig wird Jacobshavn Isbrae den Meeresspiegel nun noch höher ansteigen lassen. Das sind wichtige Erkenntnisse für dir Abschätzung der Folgen des Klimawandels. Auch die Überwachung von Infrastrukturen wie zum Beispiel Staudämme und Brücken ist durch die hoch-präzisen Daten der beiden Satelliten möglich. So können die Bewegungen des Stahlgerüstes des Berliner Hauptbahnhofes im Laufe eines Jahres millimetergenau verfolgt werden.

Deutschland hat für zahlreiche Missionen zur Erkundung unseres Sonnensystems maßgebliche wissenschaftliche und technologische Beiträge geliefert. Hier stechen besonders die deutschen Anteile der Rosetta-Mission zum Kometen Tschurjumov Gerassimenko heraus, dessen Lander Philae Ende 2014 auf dem Kometen landete. Deutschland ist an der Internationalen Raumstation ISS sowie der Produktion und dem Einsatz der Trägerrakete Ariane-5 und deren Entwicklung der neuen ARIANE-6 beteiligt und ist eine der führenden europäischen Raumfahrtnationen.

Entscheidend für den konkreten Nutzen der Raumfahrt ist, dass sich die Raumfahrttechnologie vom reinen Werkzeug der Forscher zunehmend zu einem Schlüsselwerkzeug der modernen Industrie- und Informationsgesellschaft, auch im Hinblick auf Industrie 4.0 und Big Data, entwickelt hat. Heute besitzt sie eine für den Wissenschafts- und Technologiestandort Deutschland hohe strategische Bedeutung. Von ihr gehen entscheidende wirtschaftliche Impulse aus und sie verbindet fast alle modernen Hochtechnologiebereiche. Die Förderung der Raumfahrt steigert daher in erheblichem Maße die Wachstums- und Wettbewerbschancen des Standorts Deutschland.

Aufgrund ihrer Komplexität und hohen Kosten können die meisten Raumfahrtprojekte nur in internationaler Zusammenarbeit durchgeführt werden. Deutschland ist einer der 20 Staaten, die sich zu diesem Zweck in der Europäischen Weltraumorganisation ESA zusammengeschlossen haben.

Raumfahrtstrategie

Die im Jahr 2010 verabschiedete Raumfahrtstrategie der Bundesregierung bildet die Grundlage für die deutschen Aktivitäten in der Raumfahrt. Durch die gezielt geförderte Weiterentwicklung nationaler Fähigkeiten konnte Deutschland in den letzten Jahren technologische und wissenschaftliche Spitzenpositionen erobern. Diese Fähigkeiten werden durch die Raumfahrtstrategie konsolidiert und fortentwickelt.

Die Kernaussage der Strategie ist, dass Raumfahrttechnologien Antworten auf gesellschaftlich relevante Fragen geben. Dies gilt für zentrale Herausforderungen wie Klimaschutz, Mobilität, Kommunikation und Sicherheit. Als Schlüsseltechnologie ist die Raumfahrt von zentraler Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Für die Bundesregierung steht der konkrete Nutzen für die Menschen im Mittelpunkt ihrer Raumfahrtpolitik. Raumfahrt muss sich dem Wettbewerb mit anderen Technologiebereichen stellen und sich daran messen lassen, ob für die hohen Aufwendungen ein angemessener wissenschaftlicher, gesellschaftlicher oder kommerzieller Nutzen erwartet werden kann. Eine klare Ausrichtung auf Nutzen und Bedarf, die Orientierung am Prinzip der Nachhaltigkeit und eine intensive internationale, vor allem europäische Zusammenarbeit sind dabei die Leitlinien unserer Politik.